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  • brasilien verdanke ich sonnengeküsste haut, unvergessliche erinnerungen und die liebe zum leben

    brasilien. was fällt dir spontan bei dem gedanken an das land ein? sonne, karneval, caiphirina und gute laune? ohja, mein_e liebe_r, du sehnst dich wohl ganz dringend nach urlaub. ich hatte das glück, mein fernweh an der brasilianischen atlantikküste stillen zu dürfen. eingeladen von meinen coolen schwiegereltern. ein privileg, für das ich bis heute sehr dankbar bin. ein fremdes land wie brasilien mithilfe von orts- und sprachkundigen zu entdecken, bedeutete für uns authentische erlebnisse fernab touristischer hotspots. ende februar, als sich sibirische kälte in deutschland ankündigte, saßen wir im flieger richtung tropischer wärme. knappe zwanzig stunden später, klingt dramatischer als es tatsächlich war, fielen wir braungebrannten eltern meines mannes um den hals. obwohl mitternacht längst rum war und unsere energiereserven erschöpft, staunte ich nicht schlecht über das paradisische reich, das sich die teilzeitauswanderer geschaffen haben. um ein wenig mehr auf den fernwehzahn zu fühlen, wir durften sogar ein kleines chalet unser eigen nennen.

    nach einem zehnstündigen flug von münchen nach recife empfing uns noch über den wolken ein magischer sonnenuntergang (photo by ilona hüttner)

    der tropischen sonne war es völlig schnurz, dass sich mein körper noch mitten in nächtlicher ruhe wägte. sie brannte auf nackte fußsohlen, die sich richtung offener balkontür rekelten. zugegeben, ich hielt es im bett nicht mehr aus. warm. so früh und so warm. grandios! durch den tristen deutschen winter, vergaß ich beinahe, wie es sich anfühlte von der sonne geliebt zu werden. genüßlich streckte und dehnte ich meine flugzeuggebeutelten glieder. gar kein hunger, hmm muss wohl am jetlag liegen. mal gucken wie so ein jetlag funktioniert. mica, meine liebe schwiegermami, brühte bereits frischen kaffee auf. immer der nase nach. das schmeckt nach urlaub. vom jetlag noch keine spur. also stürzten wir uns in besorgungen. geldwechseln, einkaufen, die nähere umgebung erkunden. was soll ich sagen, es fühlte sich von minute zu minute nicht mehr wie urlaub an, sondern wie zu besuch bei freunden. aus erzählungen und geschichten kannten wir all die orte und menschen bereits.

    in dem verschlafenen fischerdörfchen imbassaí, kennt man sich. man grüßt. umarmt. erkundigt sich nach der familie. die einheimischen amüsierten sich köstlich. der sohn besucht zum ersten mal die 8500 km entfernte wahlheimat seiner eltern. obwohl diese seit 13 jahren jeden brasilianischen sommer dort verbrachten. mit händen und füßen erkläre ich, dass wir uns vor drei monaten vermählten und gewissermaßen unsere hochzeitsreise hier verbrachten. bis auf wenige einstudierte sätze, sprechen wir kein portugisisch. zum glück wussten wir unsere einheimischen übersetzer stets in der nähe. nichts desto trotz versprach ich hoch und heilig bis zum nächsten besuch portugisich zu lernen.

    die mittagssonne bitzelte auf meinem gesicht, als ich in der hängematte eine frisch aufgeschlagene kokosnuss schlürfe. das muss es sein. sonne, wärme und gelassenheit. so sieht ein glückliches leben aus. sind die menschen hier im brasilianischen bahia glücklicher, als die deutschen mit ihrem verregneten frühling, unberechenbaren sommer, nebligen herbst und matschigen winter? ich dachte mir in dem moment, ohne jeglichen zweifel „himmel, ja“! exotische früchte, so süß und saftig, dass allein beim anblick, das wasser im munde zusammenläuft. mango, banane, avocado, mandarine und kokosnuss gedeihen hier auf jedem gründstück in hülle und fülle. teilweise rund ums jahr. für meine obstverliebten verhältnisse, lebt man hier im veganen paradies. ich spürte vom ersten tag an, die superkraft der kombi aus reifem obst und frischem gemüse.

    was macht man denn so in imbassaí? lass mich kurz überlegen. am strand liegen. umbu-caipirhinia schlürfen. die ruhe genießen. im fluss imbassaí plantschen. in meterhohe wellen springen. schlidkröten beobachten. spontan auf ein festival gehen. abtanzen. unverschämt viel und lecker essen. fullmoonparties feiern. hängematte chillen. in flammen stehendes nachbarsgrundstück löschen. last but not least, lachen und ne gute zeit haben. ich darf alles davon abhaken. nördlich oder südlich entlang der linha verde überraschten uns versteckte schätze wie einheimische restaurants, ruhige strände und künstlermärkte. die costa dos coqueiros bietet für jeden geschmack etwas. das ehemals indianische fischerdörfchen praia do forte, zieht als touristisches zentrum viele einheimische und fremde urlauber an. shoppen, schlemmen, schnorcheln und andere abenteuer locken urlaubshungrige menschenströme an. salvador, als höhepunkt unserer sightseeing ausflüge, erfüllte und überfüllte mit authentischen eindrücken des brasilianischen großstadttrubels. zu gern hätte ich einen auftritt der gruppe olodum erlebt. beim nächsten besuch, steht es auf jeden fall auf meiner bucketlist!

    die uhren ticken hier anders. ungeduld, kennt man offenbar nicht. ebenso termindruck. mei, dann kommt der handwerker erst übermorgen, weil es regnete. geld verdienen gehen die meisten opportunistisch an. tourismus spielt eine große rolle und so trägt jeder der kann, muss oder möchte seinen teil dazu bei. uns war bewusst, die kluft zwischen arm und reich ist immens groß. jedoch waren wir nicht auf alles gefasst. wie war das gleich nochmal, die menschen hier sind viel glücklicher? unbedachte fragen unsererseits an einheimische freunde, wie „wann esst ihr immer zu abend?“ beantwortete man mit „wir essen, wenn wir etwas zu essen da haben“. beim verabschieden mit „bis bald“ entgegneten sie mit „so gott will“. einige von ihnen leben ein ungewisses leben. absolut unvorstellbar für dich, mich und den rest der durchgetakteten welt, der sich mit wohlstandsproblemen herumschlägt. zugegeben trügten massenhaft plastikmüll, verwahrloste straßenhunde und nach futter bettelnde katzen an restauranttischen das tropische idyll.

    einige tage später, lehnte ich nachdenklich an der autofensterscheibe, während dschungelwälder davor vorbei huschten. wenige minuten darauf polterten wir über eine rote sandstraße. heute fand der lokale künstlermarkt statt, den ein lieber freund der familie ausrichtete. emsiges treiben herrschte bereits als wir antrafen. etwas aufgeregt bauten hobby verkäufer ihre stände auf. selbstgebasteltes. gekochtes. handgefertiges. upcycling-kunst. alles mit liebe und kreativität geschaffen. eins durfte selbstverständlich nicht fehlen, gute-laune-musik! nach dem sich das rege treiben etwas beruhigte, schlenderte ich von stand zu stand. einige besucher trafen ein und tänzelten zum takt der musik durch die stände-allee. ich spürte die harmonie und kreativität. das leben schien für einen moment federleicht und sorgenlos. dieser tag schenkte viele unvergessliche erinnerungen.

    wo kam die zeit bloß hin, denn es hieß schon bald wieder abschied nehmen. zuhause angekommen hielt mich der jetlag fest in seinen klauen. so funktioniert das also. neben kitschigen souvenirs, nahm ich eine bedeutende erkenntnis mit nach hause. ich begriff, dass uns das leben täglich vor aufgaben stellt, die es zu lösen gilt. nichts desto trotz, beschenkt es uns mit exotischen früchten, lieben menschen und verrückten erinnerungen. ich musste es nur wie die künstler machen. schönheit im unscheinbarem erkennen. das große wunder in kleinigkeiten finden. mit offenem herzen und neugierigen augen durch die welt wandern. im hier und jetzt leben. von belanglosem nicht ablenken lassen und stets liebe im herzen tragen. mein heutiges lieblingsmantra, das ich aus brasilien mitnahm lautet „ich liebe das leben und das leben liebt mich“.

    mit sentimentalen grüßen,

    deine schlaumaierin

  • gedanken einer krötensammlerin

    spontanität brachte mich unverhofft zur jahreshauptversammlung vom naturschutzbund. gedankenlos gab ich mich der euphorie hin, als eine liebe freundin vom amphibiensammeln erzählte. „ohja, das möchte ich auch machen“, kaum purzelten die…

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  • hab keine angst

    hab keine angst vor morgen. morgen ist noch nicht gekommen. hab keine angst vor gestern. gestern ist schon vorbei. hab keine angst vor dem hier und jetzt. du bist nur jetzt…

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